Dankesrede von Hugo Horiot zur Verleihung des Euregio-Schüler-Literaturpreises

Kategorie: Euregio-Schüler-Literaturpreis

Hier können Sie die Rede des Preisträgers Hugo Horiot vom 16. Mai 2019 im Ballsaal des Alten Kurhauses, Aachen im Wortlaut nachlesen:

Verleihung des Euregio-Schüler-Literaturpreises an Hugo Horiot am 16. Mai 2019 im Ballsaal des Alten Kurhauses, Aachen.
Verleihung des Euregio-Schüler-Literaturpreises an Hugo Horiot am 16. Mai 2019 im Ballsaal des Alten Kurhauses, Aachen.

Meine Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler aus der Euregio, ich möchte Ihnen für die Verleihung dieses Preises meine Dankbarkeit aussprechen.

Schreiben ist eine Notwendigkeit und ein Engagement. Es ist ein Akt des Widerstands gegen die Mittelmäßigkeit, die Barbarei, die Dummheit, die Dogmen, die Intoleranz, die Ignoranz. Schreiben ist die Dringlichkeit, seinen Mitmenschen mitzuteilen, was man ihnen mündlich nicht sagen kann, ohne unterbrochen oder missverstanden zu werden. Meine Belohnung und mein Stolz heute ist zu wissen, dass Sie mich verstanden haben.

Nach verlegerischen Abenteuern mit den Verlagen L´Iconoclaste in Frankreich, Hanser Berlin in Deutschland und Uitgeverij Oevers in den Niederlanden, ist Der König bin ich auch zu einem Theater-Abenteuer geworden. In den letzten Jahren bekam ich während dieses Theater-Abenteuers, das sich in diesem Sommer in Avignon fortsetzen wird, die Gelegenheit zu erfahren, wie der Text besonders bei jungen Leuten eine Resonanz findet. Es berührt mich sehr, dass sich dies hier auf europäischer Ebene bestätigt.

Die Frage des Andersseins ist universell, sie betrifft jeden von uns. Wir können dieses Anderssein einen Tag lang von innen heraus leben, indem wir uns ganz bewusst nicht in Einklang mit unserer Umwelt begeben; oder äußerlich, indem wir uns dem Sonderbaren, dem Geheimnisvollen und Rätselhaften aussetzen. Unsere Beziehung zu anderen, die spontane Ablehnung, die daraus resultieren kann, oder die Infragestellung, die sie hervorrufen kann, prägen die Beziehungen zwischen Individuen, Völkern und Zivilisationen. Unser Umgang mit dem Fremden zeigt die Richtschnur unserer persönlichen Existenz auf und bildet den Rahmen des kollektiven Projekts, an dem wir gemeinsam bauen. Diese äußerst politische Frage, wird sich in den nächsten Tagen wieder stellen, zum Guten oder Schlechten, wenn die Bürger aus den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wählen werden, um die größte weltliche Institution des allgemeinen Wahlrechts zu erneuern: das europäische Parlament.

Dieser Preis von Die Euregio liest ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, da er – dank des Talents der Übersetzer, die ich an dieser Stelle besonders würdigen möchte – das Verbindende zwischen uns herausstellt. Sie vereinen unsere Kulturen in der Verschiedenheit unserer Sprachen. Die richtigen Worte zu finden, um die Intimität eines fremden Gedankens zu vermitteln, ist nicht einfach und bildet eine grundlegende Brücke, um weiterhin in unserer Verschiedenheit vereint zu sein.

Ich danke auch meiner Verlegerin Sophie de Sivry, die dieses Buch begleitet hat und der Initiatorin des Preises Sylvie Schenk, die mich zu diesem wunderbaren Ereignis eingeladen hat. Ich danke auch meiner Mutter, der Schriftstellerin Françoise Lefèvre, die mich immer wieder ermutigt hat zu schreiben.

Abschließend möchte ich diesen Preis dem Andenken desjenigen widmen, der mein erster Leser war: Jean-Jacques Pauvert.